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Dr. Claudia Borowy
Gründerin
inszenio – die agentur für szenische kommunikation
„Im Kreativsektor ist die Kunst nur eine Seite der Medaille und mein Anliegen ist es, mit meiner Kompetenz und den mir zur Verfügung stehenden theatralen Mitteln ganz konkret zur Problemlösung bei meinen Kunden beizutragen“
Dr. Claudia Borowy gründete 2006 im Alter von 41 Jahren in Berlin inszenio – die agentur für szenische kommunikation. Mit einem Schauspieler-Team unterstützt sie Firmen mit ihrem Unternehmenstheater dabei, Kommunikationsprozesse wirksam zu gestalten und emotional zu verankern.
Die Welt des Schauspiels ist für Claudia Borowy bereits seit jungen Jahren eine zweite Heimat. Nach zahlreichen Theaterprojekten als Freiberuflerin und langjähriger Projektarbeit in der Kommunikation und Werbung wagt sie in Berlin 2006 den Schritt, ein eigenes Unternehmen zu gründen und das Medium Theater in die Firmenwelt zu bringen. „Ich habe mich sowohl beim Theater als auch im Kommunikationsbusiness immer sehr zu Hause gefühlt. Aber ich kam auch immer wieder an den Punkt, dass ich noch ein bisschen mehr wollte. Mit der Idee, ein Unternehmenstheater zu gründen, habe ich die Chance gesehen, meine Kompetenzen aus beiden Arbeitsgebieten zu bündeln und so einen logischen nächsten Schritt zu tun“, erzählt sie. Lehr- und Wanderjahre – Vom Journalismus zum Theater und zurück in die Medien
In Villingen-Schwenningen im Schwarzwald geboren, zieht es Claudia Borowy nach dem Abitur zunächst in den Journalismus. Ihr Volontariat bei einer Tageszeitung mit dem Fokus Kulturredaktion führt sie bald zum Theater. „Das hat mein Interesse geweckt, aber ich habe auch schnell gemerkt, dass ich, um angemessene Rezensionen von Theaterstücken schreiben zu können, viel mehr Know-how brauche“, erzählt die heute 45-Jährige. Sie beschließt, in München Theaterwissenschaften zu studieren und absolviert parallel verschiedene Assistenzen und Hospitanzen, unter anderem am Münchner Volkstheater. Als sie ihren Magister macht, hat sie so schon zwei bis drei Jahre Berufserfahrung. Da die Friedrich-Ebert-Stiftung ihr ein Stipendium anbietet, hängt sie ihre Promotion noch dran. „Nach dem Studium bin ich kunterbunt durch die Gegend gereist und habe als freie Regisseurin in Deutschland, Österreich und der Schweiz an den verschiedensten Bühnen inszeniert“, erzählt die Theaterexpertin.
1996 erweitert sie ihr berufliches Repertoire und wird für eine Multimediaagentur tätig. „Mein großes Thema war und ist es, Geschichten zu erzählen. Und seinerzeit hat es mich sehr gereizt, in dem gerade am Durchbruch stehenden Medium Internet diese Kernkompetenz mit neuen Ausdrucksmitteln einzubringen“, so Claudia Borowy. Das Online-Business führt sie 2001 nach Berlin, wo sie sich erstmals von einer großen Multimediagentur festanstellen lässt und bis in die Geschäftsführung aufsteigt: „Das hat sich alles rasant entwickelt und war eine unglaublich spannende Zeit, in der ich viel darüber gelernt habe, wie die Geschäftswelt funktioniert und wie man mit den Bedürfnissen von Kunden umgeht.“ Das Theaterengagement kommt in dieser Zeit jedoch zu kurz und so geht die Regisseurin und Kreativdirektorin 2006 erneut in sich, um neue berufliche Perspektiven auszuloten.
Mit Anfang 40 ist eine gute Zeit zum Gründen
Aus dem Wunsch, sich wieder mehr dem Theater zuzuwenden, aber gleichzeitig auch in einem unternehmerischen Kontext tätig sein zu wollen, entsteht schließlich die Idee, beide Bereiche zu verbinden und Unternehmenstheater zu machen. „Ich war die größte Zeit meines Berufslebens als Freiberuflerin unterwegs und wusste, worauf ich mich einlasse. Mit Anfang 40 war für mich der bestmögliche Zeitpunkt für eine Unternehmensgründung, denn ich hatte einerseits genügend Erfahrungen im Kulturbetrieb und im Firmengeschäft gesammelt und andererseits noch genügend Power, um mich auf das Wagnis, ein Unternehmen vollständig neu aufzubauen, einlassen zu können“, erzählt die Unternehmerin. So bringt sie 2006 in Berlin inszenio – agentur für szenische kommunikation an den Start. In der Anfangsphase nimmt sie die Beratungsmöglichkeiten der Arbeitsagentur, die die Gründung auch mit dem seinerzeit bestehenden Instrument des Überbrückungsgeldes fördert, wahr, doch die wichtigsten Business-Basics sind ihr ohnehin schon aus zwei Jahrzehnten freiberuflicher Tätigkeit geläufig. „Bei der Gründung eines ‚richtigen’ Unternehmens muss man zwar auch einige logistische Herausforderungen lösen, aber im großen und ganzen hat sich für mich die Planung nicht wesentlich von meinen bisherigen freiberuflichen Projekten unterschieden“, erklärt die Unternehmerin.
„Viele Frauen entscheiden sich in der Lebensmitte, wenn sie bereits zahlreiche Erfahrungen in der Arbeitswelt gesammelt haben, dazu, beruflich noch einmal neu durchzustarten. Gerade für Frauen, die danach streben, ihren persönlichen Know-how-Hintergrund möglichst weitreichend im Geschäftsleben einzubringen, kann die Gründung eines Unternehmens hier der beste Schritt sein, denn als eigene Chefin können sie ihr Können so optimal einbringen. Die bundesweite gründerinnenagentur als einziges bundesweites Service- und Kompetenzzentrum zur unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen über alle Branchen und Phasen der Existenzgründung und des Unternehmensausbaus versteht sich hier als erste Anlaufstelle für gründungsinteressierte Frauen und bietet mit Regionalverantwortlichen in allen Bundesländern Ansprechpartner vor Ort“, so Iris Kronenbitter, Projektleiterin der bundesweiten gründerinnenagentur (bga).
Umsichtige Finanzplanung sichert das Firmenwachstum
Da sie den Unternehmensaufbau ohne Fremdkapital bewerkstelligen möchte, betreut Claudia Borowy erste Kunden zunächst vom Home Office aus, mietet Probe- und Lagerräume nach Bedarf und arbeitet mit Schauspielerinnen und Schauspielern auf freiberufllicher Basis zusammen. Der Start wird fast unmittelbar zur Punktlandung, denn aufgrund ihrer guten Firmenkontakte findet die Gründerin gleich im ersten Jahr mehrere Kunden, die ihr Unternehmen zur Bühne machen wollen. Bei Produktionszeiten von jeweils rund vier Wochen für eine Firmeninszenierung ist die Theaterexpertin mit mehreren Projekten bereits in der Anfangsphase gut ausgelastet. „Im Prinzip hätte ich bereits im zweiten Jahr allein von inszenio leben können, aber ich habe in den ersten zwei Jahren parallel zum Unternehmenstheater auch weiter Projekte im Multimediabereich gemacht. Durch diese zusätzlichen Einnahmen stand ich nicht unter Druck, konnte den Ausbau der Geschäftstätigkeit finanzieren und hatte gleichzeitig die Möglichkeit, mein Netzwerk in der Unternehmenswelt zu erweitern“, so ihre Strategie.
„Effiziente und umsichtige Finanzstrategien sind gerade im Unternehmensaufbau wichtig, hier kann eine gute Beratung enorme Unterstützung leisten. Mit ihrem Netzwerk, dem mehr als 1.700 Beraterinnen und Berater der Gründungsförderung und -beratung angehören, begleitet die bundesweite gründerinnenagentur angehende Unternehmerinnen bei der Strategieplanung für ihr Unternehmen und der Erstellung von Businessplänen und unterstützt sie darüber hinaus, für ihr Vorhaben passgenaue Finanzierungslösungen zu entwickeln“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.
Erfolgreiche Synergien von Kunst und Kommerz
Claudia Borowy setzt mit ihrem Geschäft nicht alleine auf die Kunst, sondern auf Kompetenz, und genau das ist ihr Erfolgsrezept. „Ich selbst betrachte mich als Dienstleisterin mit kultureller Kompetenz und mein künstlerisches Anliegen kann sich auf diesem Weg hervorragend entfalten“, erklärt sie. Da sie in ihrer Agenturzeit zahlreiche Kunden, darunter viele internationale Großunternehmen, in Kommunikationsfragen beraten hat, weiß sie, dass man als Anbieterin in der Kreativbranche nicht die Kreativität an sich, sondern Lösungen verkauft. „Firmen, die das Medium Unternehmenstheater in ihrer Kommunikation nutzen möchten, haben immer ein konkretes Anliegen. Ob das die Begleitung von Veränderungsprozessen ist, die Motivation der Mitarbeiter oder die Verankerung von Unternehmensleitlinien – unsere Theaterprojekte haben immer eine klare Aufgabe und ein Ziel“, so die kreative Unternehmerin. Deshalb ist es ihrer Meinung nach für Selbstständige in der Kreativbranche unerlässlich, auf dieser Klaviatur der Anforderungen und kreativen Möglichkeiten adäquat spielen zu können. „Selbstverwirklichung ist in der Kreativwirtschaft sicherlich kein guter Ausgangspunkt, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Man muss sein Handwerk beherrschen und mit der notwendigen Businesskompetenz verbinden“, so ihre Erfahrung.
„Die Kreativwirtschaft ist eine der wichtigsten Zukunftsbranchen für Unternehmerinnen und Selbstständige und hat mit ihrem wirtschaftlichen Potenzial schon fast zu den etablierten Industrien aufgeschlossen. In Baden-Württemberg beispielsweise entfielen 2008 Umsätze in Höhe von rund 20 Milliarden Euro auf die Kreativbranche und seit 2000 steigen hier die Beschäftigungszahlen doppelt so schnell wie in der Gesamtwirtschaft. Für Frauen mit kreativen Berufen sind hier die Geschäftschancen also besonders groß. Auf dem Internetportal der bundesweiten gründerinnenagentur finden angehende Gründerinnen zahlreiche Brancheninformationen und Kontakte, die ihnen beim Aufbau eines eigenen Unternehmens helfen können“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.
Netzwerke sind für einen guten Start unabdingbar
Claudia Borowy hat beim Unternehmensaufbau nicht zuletzt von ihren tragfähigen Netzwerken profitiert. Über ihre guten Kontakte in der Theaterszene konnte sie Schauspielerinnen und Schauspieler für ihre Produktionen, bei denen sie selbst Regie führt und Konzepte bzw. die Texte für die Stücke schreibt, akquirieren, und ihre guten Businesskontakte, ebneten den Weg zu manchem Auftrag. So finden sich auf der Referenzliste von inszenio bereits internationale Größen wie Daimler, E.ON, Melitta oder die Telekom. Auch von der Wirtschaftskrise merkt die Theaterunternehmerin bislang wenig. „Es hat mich selbst überrascht, aber 2009 waren wir nach schleppendem Start ab Mitte des Jahres mit rund 15 Produktionen wirklich ausgebucht“, sagt sie. Das liegt vielleicht auch daran, dass Unternehmenstheater mit seiner emotionalen Wirkung und einem Quäntchen Humor gerade in schwierigen Zeiten eine besondere Wirkung entfaltet. „Im Gegensatz zu anderen Kommunikationsmitteln ist Theater ein Medium, bei dem sich die Menschen öffnen und eine Bereitschaft geweckt wird, sich mit Themen auseinanderzusetzen. Diesen Mehrwert verkaufe ich und die Kunden wissen ihn zu schätzen“, so die Kommunikationsexpertin.
Nach dem Aufbau kommen Feintuning und Expansion
Ihr erstes Ziel, inszenio zu einem der Top-5-Unternehmenstheater in Deutschland zu machen, hat Claudia Borowy nach drei Jahren bereits erreicht, doch an weiteren Visionen mangelt es der Kreativen nicht. „Jetzt, wo das Unternehmen eine gesunde Basis hat, möchte ich meine Kraft auf das Feintuning der inneren Strukturen konzentrieren. Ich strebe an, in der nächsten Zeit ein Kernteam mit Schauspielern aufzubauen, die ich fest anstelle“, so die Regisseurin. Je weiter das Unternehmen wächst, umso mehr will sich die Gründerin auf ihre Kernkompetenzen, die Konzept- und Stückentwicklung, die Regiearbeit und die Kundenakquise, konzentrieren. So hat sie die Technik sowie PR und Marketing bereits an Freelancer delegiert, ein Schritt, der ihr nach zweieinhalb Jahren kräftezehrender Aufbauarbeit wieder mehr Freiräume erlaubt: „Im Nachhinein betrachtet bin ich in den ersten zweiJahren bisweilen an meine Grenzen gegangen und deshalb sehr froh, wenn ich es mir heute wieder leisten kann, die Wochenenden für mein Privatleben zu reservieren.“ Im Zuge der weiteren Expansion wird einer der nächsten Schritte für Claudia Borowy die Gründung einer GmbH sein, um dem bisherigen Wachstum auch auf der formalen Ebene Ausdruck zu verleihen. Weiteres Wachstum ist bereits absehbar, denn – nicht zuletzt aufgrund der Aktivitäten von inszenio – ist Unternehmenstheater inzwischen für viele Firmen und damit potenzielle Kunden ein wichtiger Bestandteil des Kommunikationsportfolios geworden.
Zur Unternehmenswebsite: www.inszenio.de
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